Rechtsanwalt René Iven

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Wer trägt die Versandkosten nach Widerruf?

Gesetzliches Widerrufsrecht

Verbraucher sind berechtigt, Online-Bestellungen binnen 14 Tagen zu widerrufen. Verkäufer und Käufer streiten häufig darüber, wer in diesem Fall die Kosten der Hin- und Rücksendung zu tragen hat.

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Hinsendekosten

Nach der gesetzlichen Regelung hat seit Inkrafttreten der EU-Verbraucherrechte-Richtlinie (VRRL) im Falle eines Widerrufs der Verkäufer dem Käufer neben dem Kaufpreis auch die Hinsendekosten zu erstatten (§ 357 BGB).

Dies entspricht im Grunde der bisherigen Rechtsprechung (EuGH, Urt. v. 15.04.2010; Az. C-511/08). Zusätzliche Kosten für ausdrücklich vereinbarte andere Lieferungen als die angebotene günstigste Standardlieferung (z.B. Express-Lieferungen) muss der Verkäufer allerdings nicht erstatten.

Rücksendekosten

Die Rücksendekosten sind im Falle eines Widerrufs grundsätzlich vom Käufer zu tragen (§ 357 BGB). Dies setzt allerdings voraus, dass der Verkäufer den Käufer vor der Bestellung auf die Erstattungspflicht hingewiesen hat. Ist dies nicht der Fall, bleibt der Verkäufer auf den Kosten für die Retoure sitzen.

Praxistipp: Ist die Ware paketversandfähig, stellt die Hinweispflicht meist kein Problem dar. Praktisch schwierig wird es bei nicht paketversandfähigen Waren. Hier muss der Verkäufer die Rücksendekosten konkret benennen, hilfsweise Schätzungen vornehmen. Statische Formulierungen reichen damit nicht aus.

Freiwillige Übernahme der Rücksendekosten

Der Verkäufer kann die Rücksendekosten natürlich auch freiwillig übernehmen. Wenn sich der Verkäufer bei Bestellung zur Übernahme der Rücksendekosten verpflichtet hat, ist er entgegen der gesetzlichen Regelung zur Erstattung verpflichtet.

Die Redaktion von www.vergleich.org hat die 100 größten Online-Shops in Deutschland überprüft. Danach übernehmen 76% der Shops die Rücksendekosten in voller Höhe und unabhängig vom Wert der Kaufsache (Stand: 2016). Weitere Informationen erhalten Sie unter https://widerrufsrecht.vergleich.org.

Versandkosten bei mangelhafter Ware

Ist die Ware beschädigt oder aus anderen Gründen mangelhaft, kann der Käufer den Verkäufer zur Reparatur oder Neulieferung auffordern . In beiden Fällen muss die mangelhafte Ware an den Verkäufer zurückgesendet werden. Die Versandkosten trägt in diesem Fall der Verkäufer (§ 439 BGB).

Der Verkäufer erstattet die Kosten nicht?

Mit wenigen Klicks können Sie hier ein professionelles Musterschreiben erstellen. Kostenlos und unverbindlich. Gerne stehen wir auch für eine Prüfung der Forderung und ihrer Durchsetzung bis zum gerichtlichen Verfahren zur Verfügung. Mit unserem interaktiven Kostenrechner können Sie die gesetzlichen Anwalts- und Gerichtskosten kalkulieren.

Sollten Sie rechtsschutzversichert sein, werden die Kosten im Regelfall von Ihrer Versicherung übernommen. Sollten Sie den Verkäufer bereits angemahnt haben, können Sie vom Verkäufer die Erstattung der anwaltlichen Kosten verlangen.

Urteile zum Thema "Gesetzliches Widerrufsrecht" finden Sie in unserer Urteilsdatenbank .

Seit 2007 ist Rechtsanwalt Iven mit seinem Team als Einzelanwalt in den Rechtsgebieten des Internetrechts , Mietrechts , Arbeitsrechts und Verkehrsrechts tätig.

Sie benötigen anwaltliche Beratung? Kontaktieren Sie uns: 02129 5678678 oder info@ra-iven.de. Oder nutzen Sie unseren Online-Service:


Rechtsanwalt Iven    von Rechtsanwalt René Iven
u.a. spezialisiert auf Itvertragsrecht & Vertragsrecht, letzte Aktualisierung: 03.04.2016

Kommentare

Kommentar von Bernd vom 03.11.2015:
Aber wie verhält es sich bei Teilwiderruf mit den Hinsedekosten. Ebay z.B. verlangt dem Kunden anteilig die Kosten zu erstatten.

Kommentar von RA Iven vom 03.11.2015:
Der Teilwiderruf ist tatsächlich ein Sonderproblem. Er ist nicht gesetzlich geregelt. Richtigerweise wird man dann eine anteilige Kostenerstattung annehmen können, wenn die Versandkosten niedriger gewesen wären, wäre der widerrufene Warenteil überhaupt nie versendet worden. Im Umkehrschluss dürfte ein Erstattungsanspruch bei einer einheitlichen Versandkostenpauschale ausscheiden.

Kommentar von Erik vom 20.11.2015:
Soweit, so gut. Aber wie verhält es sich, wenn die Artikelbeschreibung (bei ebay) unvollständig bzw. sehr allgemein gehalten ist (auf dem eingestellten Bild war der Artikel und seine Teile nicht vollständig erkennbar) und auch der Inhalt der gelieferten Verpackung von den Abbildungen und Beschreibung auf der Verpackung deutlich abweicht. Wie ist das zu werten und wer trägt ggf. die Rücksendekosten?

Kommentar von RA Iven vom 20.11.2015:
Hier stellt sich offensichtlich die Frage, ob ein Mangel vorliegt. Dies ist immer eine Frage des Einzelfalls. Fakt ist: Die Rechtsprechung misst Produktbildern erhebliche Bedeutung zu (OLG Hamm, Urt. v. 04.08.2015; Az. I-4 U 66/15 ).

Kommentar von Nik vom 26.11.2015:
Ich finde es gut, dass so viele Shops die Kosten immer ncoh selbst trage. Ich denke nämlich, dass dann durchaus auch mehr gekauft wird, etwas anderes kann ich mir eigentlich gar net vorstellen.

Kommentar von Martine vom 04.12.2015:
Das denke ich auch, ABER manche Shops sind bestimmt weniger in der Lage dazu, die Kosten zu übernehmen als andere...muss man wohl von mehreren Blickwinkeln betrachten.

Kommentar von Arnold vom 28.10.2016:
Und wenn der Versand 12 tage nach ausgeübtem Widerruf erst erfolgt? Trägt der Käufer dann trotzdem die Rücksendekosten, obwohl der Verkäufer die Ware ja gar nicht mehr hätte schicken müssen/dürfen?,

Kommentar von RA Iven vom 30.10.2016:
Eine gute Frage. Nach m.A. dürfte der Verkäufer in diesem Fall auf den Rücksendekosten bleiben. Eine andere Rechtsfolge wäre ein erheblicher Wertungswiderspruch zu § 241a BGB.

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